Beugesehnenverletzungen

Therapiekonzept für Beugesehnenverletzungen an der Hand

Die Beugesehnen der Finger sind für die Greiffunktion der Hand unerlässlich. Sind Sie verletzt kann es zu erheblichen Einschränkungen bis hin zum vollständigen Funktionsverlust der Hand kommen.

 

1. Anatomische Besonderheiten:

Beugesehnen übertragen die Kraft der Unterarmbeugemuskulatur auf das Handgelenk und die Finger. Sie verlaufen beugeseitig am Unterarm und ziehen durch einen engen Tunnel auf Höhe der Handwurzel (Karpaltunnel) in die Hohlhand und von dort zu den einzelnen Fingern. Dabei wird jeder Finger über eine oberflächliche und eine tiefe Beugesehne bewegt. So werden die komplizierten Bewegungsabläufe des Handgelenks und der Fingergelenke ermöglicht.

 

2. Ursachen von Beugesehnenverletzungen:

  • Riss- und Schnittverletzung
  • Degenerativ
  • Infekt

 

3. Diagnostik:

Die Diagnose wird klinisch durch Testung der Beugefunktion, im Einzelfall mit zusätzlicher Ultraschall- oder Schnittbilduntersuchung (Magnetresonanztomographie: MRT) gestellt.

 

4. Operative Versorgung: 4.1. Beugesehnenrekonstruktion:

Innerhalb der ersten 6 Stunden Zickzack-förmige Schnittführung über der Innenseite der Finger in die Hohlhand hinein. Modifikationen abhängig vom Hautverletzungsmuster

 

4.2. Sehnennaht:

Kernnaht mit Feinadaptation

 

4.3. Indikation zur Sehnentransplantation:

  • bei mehrere Wochen zurückliegenden Durchtrennungen beider Beugesehnen
  • bei gescheiterten primären Rekonstruktionsversuchen
  • bei ausgedehnten Zerstörungen (z.B. durch Fräsen, Kreissägen, Explosionen), sowie
  • nach ausgeheilten Sehnenscheidenphlegmonen

 

Voraussetzung sind reizfrei abgeheilte Wunden und eine gute passive Beweglichkeit der Gelenke

Prinzip: Verlegung verwachsungsgefährdeter Nahtstellen in unproblematische Bereiche z.B. Fingerendglied, Hohlhand und handgelenksnaher Unterarm

 

Zweizeitiger Eingriff: 1. Silastikplatzhalter (Silikonstab) für 12 Wochen, dann Sehnenrekonstruktion mit eigener Spendersehne vom Unterarm, Fuß oder Hand.

 

5. Nachbehandlung:

Achtung: die anfänglich feste Sehnennaht verliert insbesondere zwischen der 1. und 2. postoperativen Woche zunächst an Reißfestigkeit, ehe sie über die 2. Woche hinaus durch Heilungsvorgänge wieder an Festigkeit zunimmt! Dennoch ist die Rupturgefahr im Nahtbereich noch bis zur 8. Woche relativ groß! Daher ist die lange Nachbehandlung dringend notwendig.

 

Dynamische Fixierung nach Kleinert mit dorsaler Unterarmgipsschiene in Beugestellung des Handgelenkes (volle passive Beugung reduziert um 20°), die Langfinger im Grundgelenk mit ca. 20° Beugestellung bei voller Streckung der Interphalangealgelenke

 

3. Postoperativer Tag bis zum 21. Tag:

Schienenanlage mit Gummizügeln zur aktiven Streckung bei passiver Beugung (mindestens 10 mal täglich 3-5 Minuten lang) zunächst unter kontrollierten Bedingungen, d.h. unter Anleitung eines erfahrenen Krankengymnasten und Ergotherapeuten

 

ab dem 22. Tag:

Abnahme der Schiene unter Fortführung der dynamischen Fixierung für 21 Tage (z.B. Fixierung der Gummizügel an einem Uhrenarmband) - weiterhin nur aktive Streckung!

 

ab der 7. Woche:

kontrollierte aktive Flexion ohne Belastung und ohne Widerstand (z.B. 3 x täglich 10 Min.)

 

ab der 8. Woche:

Dehnungsübungen in Extension und kraftfördernde Widerstandsübungen