Angeborene Handfehlbildungen

Angeborene Fehlbildungen der Hände sind selten. Die Ausprägung einer Fehlbildung kann von sehr milden rein „kosmetischen“ bis hin zu schwersten funktionellen Beeinträchtigungen reichen. Ein frühzeitiges Beratungsgespräch bei einem Handchirurgen ist ratsam, um Behandlungsdürftigkeit, -zeitpunkt und prognostische Aussichten zu besprechen. Viele Ängste der betroffenen Eltern und Kinder können im Rahmen einer Vorstellung genommen werden.

Viele verschiedene Ursachen können während der Handentwicklung eines Embryos zu Störungen führen und somit Handfehlbildungen unterschiedlichen Ausmaßes hervorrufen. Ein wesentlicher Faktor sind genetische Veränderungen, die zu einer Fehlentwicklung der Hände oder auch der Füße führen können. Diese genetischen Veränderungen können isoliert Einfluß auf die Entwicklung der Hände oder einzelner Finger genommen haben oder im Rahmen von komplexen Fehlbildungssyndromen andere Organsysteme und zusätzlich auch die Hände betreffen. Außerdem ist es wichtig im Rahmen einer Abklärung einer Handfehlbildung auch in der Familie nach etwaigen weiteren Betroffenen zu suchen, da ein Wiederholungsrisiko für weitere Geschwister oder Kinder des Betroffenen abgeschätzt werden kann. Hierzu empfehlen wir die Kontaktaufnahme mit unseren Humangenetikern.

Im Folgenden stellen wir Ihnen exemplarisch einige Handfehlbildungen aus unserer Klinik vor. Mit den modernen handchirurgischen Verfahren kann man in den allermeisten Fällen gute bis sehr gute Ergebnisse für die Kinder erreichen.

Pollex flexus congenitus (angeborener gebeugter Daumen). Den Kindern ist es unmöglich den Daumen aktiv zu strecken. Diese eher häufige Fehlbildung wird oft in den ersten Lebensmonaten übersehen und beruht auf einem zu engen Bändchen an der Basis des Daumens welches die Daumenbeugesehne führt. In einer kurzen Operation wird das Bändchen über einen wenige Millimeter langen Schnitt gespalten.

Häufig stellen sich Kinder mit einer Syndaktylie vor (zusammengewachsene Finger). Hier können 2 oder 5 Finger miteinander verwachsen sein, es kann ein rein „häutige“ von einer knöchernen Syndaktylie unterschieden werden. Die Einzelfinger können bis auf eine häutige Verwachsung vollkommen normal entwickelt sein oder auch Entwicklungsstörungen wie z.B. zu kurze Finger Symbrachidaktylie oder fehlende Fingerglieder aufweisen.

Die Anzahl der Finger kann abweichend von der Norm sein (Polydaktylie). Hier können zusätzliche unterentwickelte Finger vorliegen, die nichtoperativ über ein schmerzloses Fadenabbinden und abwarten des spontanen Abfallens des Fingers behandelt werden können. Teilweise sind aber auch chirurgische Eingriffe notwendig um eine optimale Funktion und Entwicklung der betroffenen Hand zu ermöglichen. Hierbei ist es wichtig vor und während der Operation genau zu analysieren, welcher Finger zusätzlich angelegt ist und somit entfernt werden muss.

Einen besonderen Stellenwert haben Fehlbildungen des Daumens, da eine gestörte Funktion oder gar ein Fehlen die Handfunktion erheblich beeinträchtigen. Erst der Daumen befähigt die menschliche Hand zu einer differenzierten Motorik.
Der Doppeldaumen ist eine Sonderform der Polydaktylie am Daumen. Hier wird der überzählige Anteil entfernt, gegebenenfalls in Kombination mit einer Umsetzung des regulär ausgebildeten aber fehlpositionierten Daumens in die korrekte Position.
Bei völligem Fehlen des Daumens liegt die schwerste Form vor. Hier gilt es einen Daumen nachzubilden. Dies kann durch die Umsetzung des Zeigefingers in die Daumenposition erfolgen (Pollizisation) oder eine vollständige Rekonstruktion aus eiern mikrochirurgisch verpflanzten zweiten Zehe des Fußes.
Bei der Klinodaktylie, die meist nur den Kleinfinger betrifft, ist das Endglied vermehrt nach daumenwärts gewinkelt durch ein asymmetrisches Wachstum des Mittelgliedes. Hier können bei Bedarf Korrekturen durch eine Begradigung des Mittelgliedes operativ erreicht werden.

Andere Fehlbildungsarten sind möglich und auch Kombinationen verschiedener Fehlbildungen. Falls weitere Fragen bestehen beraten wir Sie gerne in einem ausführlichen Gespräch in unserer Spezialsprechstunde. Im Rahmen eines persönlichen Gesprächs können dann genaue Operationsschritte und Nachbehandlungsarten erklärt werden. Oft ist eine Schienenbehandlung notwendig. Verschiedene Korrekturverfahren können bei komplexen Fehlbildungen kombiniert werden. Teilweise müssen gleichzeitig sowohl knöcherne als auch Weichteilrekonstruktionen durchgeführt werden. Ggf. sind Operationen in mehreren Schritten nötig.