Patienten Schulter mit einer Hautrekonstruktion und Weichteilrekonstruktion

Haut-Weichteilrekonstruktion

Bei Gewebedefekten, die durch Verletzung, Tumorresektion, Dekubitus oder Wundheilungsstörungen entstanden ist  häufig  ein direkter Wundverschluss nicht mehr möglich. Dann bedarf es einer plastischen Deckung in Form einer Hauttransplantation, lokaler Gewebeverschiebung oder eines freien Gewebetransfers. Temporär kann auch eine Defektdeckung mit Hautersatzmaterial oder Vakuumpumpenverband erfolgen.

 

Hauttransplantation

Eine Hauttransplantation basiert auf der Entnahme einer oberflächlichen Hautschicht und deren Transfer auf einen Weichteildefekt (Spalthauttransplantation) oder dem vollschichtigen Entnehmen von Haut an einer Stelle des Körpers (Vollhauttransplantation) mit direktem Vernähen der Entnahmestelle. An Stellen stärkerer Belastung wie den Händen oder im Gesichtsbereich bietet eine Vollhaut funktionelle und ästhetische Vorteile. Die zu entnehmende Menge an Haut ist jedoch limitiert und meistens auf Areale in der Leiste, hinter dem Ohr oder über dem Schlüsselbein begrenzt. Eine Narbe verbleibt in jedem Fall. Ist der zu deckende Defekt sehr groß, hat sich Spalthautverpflanzung bewährt. Die Entnahmestelle, bevorzugt am Oberschenkel (kann vom Patienten jedoch frei bestimmt werden) verheilt wie eine tiefe Schürfwunde in 14 Tagen. Pigmentstörungen und Hautunregelmäßigkeiten treten hier  häufiger auf, es kann jedoch auch zu einem nahezu unsichtbaren Verheilen der Entnahmestelle kommen. Das Prinzip beruht darauf, dass nur eine oberflächliche Hautschicht entnommen wird und die Entnahmestelle selbstständig verheilen kann. Die entnommene Hautfläche  kann über spezielle Instrumente auf das Sechsfache vergrößert werden (Mesh-Graft), somit können auch ausgedehnte Defekte wie bei großflächigen Verbrennungen gedeckt werden.

 

Lokale Lappenplastiken

Bei kleineren Defekten kann auch die umgebende Haut durch spezielle Schnitttechniken verschoben werden um eine Defektdeckung zu erzielen.

 

Gestielte Lappenplastiken

Sind die Defekte zu tief oder liegen Sehnen, Knochen oder Nerven frei, reicht eine Hauttransplantation nicht aus, um eine sichere Deckung zu erzielen. Hier können dann Muskeln oder Weichgewebsteile des Körpers die eine eigene Gefäßversorgung haben, an ihrem Gefäß gestielt verschoben werden. Typische Beispiele sind hier die Verlagerung des großen Rückenmuskels nach vorne zum Brustaufbau nach Brustkrebs, die Verschiebung des großen Brustmuskels nach oben, um Defekte im Halsbereich, oder zur Mittellinie, um Defekte am Brustbein zu decken. Auch das Verlagern eines Wadenmuskels ist eine häufig angewandte Methode um zum Beispiel eine offenes Kniegelenk zu bedecken.

 

Freier Gewebstransfer

Ist der Weichteildefekt sehr tief und groß und liegt zusätzlich kein Gewebe in der Umgebung in ausreichender Menge vor, um durch eine Gewebsverschiebung einen Defektverschluss zu erzielen, wird auf eine freie Lappenplastik zurückgegriffen. Hierbei handelt es sich um einen technisch anspruchsvollen chirurgische Eingriff, bei dem eine Muskel oder ein Gewebsstück an seiner Gefäßversorgung frei präpariert wird und anders als bei der gestielten Lappenplastik diese Gefäße durchtrennt werden, um sie dann unter dem Mikroskop in mikrochirurgischer Technik an lokale Gefäße in der Defektregion anzuschließen. Das Gewebe wird dann über neue Gefäße versorgt und durchblutet. Daher ist vor der Operation eine radiologische Gefäßdarstellung (Angiographie) notwendig. Somit können auch große Gewebsstücke transplantiert werden, welche sonst absterben würden.


Besondere Nachbetreuung

Die erste Nacht nach einem freien, mkrochirurgischen Gewebstransfer  verbringt der Patient   auf der Intensivstation zur Überwachung. Auch  in den weiteren 7  Tagen nach der Operation wird engmaschig kontrolliert, um eventuelle Durchblutungsstörungen frühzeitig erkennen zu können. Hier setzen wir moderne, laserbasierte nicht-invasive Messmethoden zur Durchblutungsmessung ein. Gelegentlich  ist das transplantierte Gewebe anfangs überdimensioniert, da eine sichere Defektdeckung im Vordergrund steht. Bei Lappenplastiken mit Muskelanteil kommt es aufgrund der ausleibenden Nutzung des Muskels zu einer Muskelatrophie mit Schrumpfen der Lappenplastik. Weitere Korrekturen zur Verbesserung der Ästhetik können dann ab sechs Monate nach dem Defektverschluss erfolgen. So lassen sich heute auch nach schweren Defektzuständen sichere und  ästhetisch befriedigende Ergebnisse erzielen.